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VWG BREMEN

Verein Wassersport Grohn e.V.

Unsere Chronik

1929

Entstehung und Entwicklung des Grohner Wassersportvereins

Aller Anfang ist schwer.

Wie sehr sich dieses Sprichwort bewahrheitet, wissen die Gründer des „Vereins Wassersport Grohn“ wohl selbst am besten. Ihnen lag es damals daran, Ihre Ideale und Neigungen zu verwirklichen und weniger, eines Tages in den Annalen des Vereins genannt zu werden. Und doch bleibt die Tat der Gründer und Förderer allen unvergessen.

DIE ERSTEN PLÄNE

In Grohn bestand im Sommer 1929 noch keine Möglichkeit, Wassersport zu betreiben, es sei denn, man begab sich in die Nachbarorte. Doch es gab eine starke Arbeiterbewegung und einen recht gut organisierten Arbeitersportverein, an dessen Schaffen die Bevölkerung lebhaften Anteil nahm. So mag es wenig verwunderlich erscheinen, wenn aus den Kreisen dieser Bewegung der Anstoß kam, auch in Grohn einen Wassersportverein ins Leben zu rufen, der die Möglichkeit bot, der Arbeiterbevölkerung eine weitere Freizeitmöglichkeit zu erschließen. Das Gefühl, eine Gründung zu vollziehen, die in erster Linie der Grohner Bevölkerung einen Vorteil bot, mögen die wesentlichsten Aktivposten der Gründer gewesen sein, die sich damals um Leo Paschke, den Vorsitzenden des ATSV
Grohn (SV Grohn) geschart hatten und ihn bewogen, dem arbeiterfreundlichen Gemeinderat unter Vorsitz des Gemeindevorstehers Friedrich Humbert einen Antrag vorzulegen, die hafenähnliche Einbuchtung des Lesumufers, vom Volksmund „Lamkens Loch“ benannt, einem noch zu gründenden Arbeiterwassersportverein zu überlassen.

Wo ein Wille ist ... Die Arbeitersportler bekamen die von ihnen beantragte Erlaubnis, das Loch als Platz einer künftigen Vereinsanlage zuzuschütten und dafür zehn Meter des Uferhanges vor dem künftigen Vereinsplatz abzutragen. Diese Zustimmung wurde im Sommer 1929 erteilt und damit die Grundlage gegeben, den Verein ins Leben zu rufen.

Zum Wassersport gehört bekanntlich Geld. Die Grohner betrieben damals ihren Sport mit Ruderbooten. Weniger mit schnittigen Rennbooten, deren Baukosten schon damals fast an das Jahreseinkommen eines ihrer Mitglieder heranreichten, sondern mit solide gebauten Ruderbooten, bei denen nicht selten deutlich wurde, daß Eigner und Erbauer die gleiche Person waren. Der Wassersport ist jedoch dank diesen Unermüdlichen wieder zu einem Volkssport geworden. Damals war es in Grohn nicht anders.

Schönebecker Sand

DIE GRÜNDUNG

Im Oktober 1929 war es soweit. Leo Paschke bat die Wassersportfreunde an einem Abend in das Lokal Fr. Kreiss am Markt und vollzog die Neugründung der Sparte „Wassersport“ im Arbeiter - Turn - und Sportverein. Es waren acht Namen, die als Mitglieder des neuen Vereins in eine Liste eingetragen wurden.

In der Winterpause 1929/30 war schon mancher Plan geschmiedet worden. Im Frühjahr setzte dann am Wasser reges Leben ein. In den Freizeiten undnach Feierabend packten kräftige Fäuste zu und gingen dem Berg vor Lamkens Loch zu Leibe. Das Arbeitsgerät. Loren und Schienen, Schiebkarren und Schaufeln waren vom Tiefbauunternehmer Hermann Wegener zur Verfügung gestellt worden. Einmal waren es viele, ein andermal wenige — doch gearbeitet wurde an dieser Baustelle fast immer. Die große Grohner Sportfamilie hatte eine neue Aufgabe bekommen. Und die Wassersportler nahmen ihre Aufgabe besonders ernst. Unser Bild zeigt einen Ausschnitt davon, wie damals der Berg abgetragen wurde. Das „Loch“ wurde zur Hälfte zugeschüttet. Heute erzählt man sich, damals sei jemand zum Grohner Gemeindevorsteher Humbert gerannt und hätte sich bitter beklagt, die am Berg stehenden Häuser drohten zusammenzufallen. Jedenfalls mußte Friedrich Humbert der regen Tätigkeit seiner Freunde ein Ende bereiten. Lamkens Loch bekam jedoch ein neues Gesicht.

Als die Erdarbeiten an „Lamkens Loch“ bewältigt waren, befand man sich in Vereinskreisen wieder in einer schwierigen Lage. Wie sollten Brückenanlage und Anlegepontons gebaut werden, wenn kein Geld vorhanden war? Wiederum mußte Leo Paschke seinen Freunden helfend beispringen. Er zog seinen besten Anzug an, machte ein energisches Gesicht und fuhr gen Hannover. Dort verstand er es, für seine Pläne Freunde im Provinziallandtag zu gewinnen.

Ran ans Werk

Es gelang ihm, durch die Sportbehörde der Regierung die Hälfte der Mittel zu erhalten, die für den Bau nötig waren. Die restlichen Gelder brachte der Verein durch einen Bausteinverkauf auf. Die Grohner Mitbürger kauften diese Scheine und lösten sie später nicht einmal zur Rückzahlung ein. Die Finanzierung war gesichert, und Zimmermeister Karl Schmidt erhielt den Auftrag, Brücke und Anleger zu bauen. Bald danach war die erste Vereinsanlage, fertiggestellt.

1930 -  DER ERSTE BOOTSSCHUPPEN

Im Jahre 1930, ein Jahr nach der Vereinsgründung, entstand auf dem aufgefahrenen Gelände der erste Bootsschuppen, der für die Aufnahme von 40 Booten gedacht war. Der Verein hatte sich also nicht unerheblich vergrößert. Wie es mit den Finanzen eines Vereins der Arbeiterklasse damals aussah, dürfte auch heute wohl kaum ein Geheimnis sein. Doch an Mut mangelte es nicht. Jan Loschen betätigte sich als Architekt. Er machte den Grundriß des ersten Bootsschuppens. Seine Freunde, die durch die Wirtschaftskrise fast sämtlich arbeitslos waren, halfen emsig bei der Bauausführung. Unter Johann Kück´s sachkundiger Leitung betätigten sie sich als Betonarbeiter und stellten Sockel und Fußboden her. Danach folgten die „Zimmermannsarbeiten“, die bei schönstem Sommerwetter schnell vorankamen. Das Holz für die „Außenhaut“ holten sich die Wassersportler aus der alten Gasanstalt, die schon lange stillgelegt war und den Arbeiterturnern solange als Turnhalle gedient hatte, bis der Neubau der Grohner Turnhalle fertiggestellt war. Nachdem diese Arbeit getan war, entstand auch die erste selbstgebaute schwimmende Steganlage des Vereins.

Erste Steganlage des VWG

Die erste Anlage
Richtfest
Mitgliedskarte

In der neuen Halle begann bald ein emsiges Treiben. Mancher Grohner Junge hat damals seinen ersten Bootsbaukursus durch den Verein erhalten. Junge Bootsbauer, gerade aus der Lehre entlassen, spielten Lehrmeister. Die Jungen waren so begeistert, dass viele von ihnen ihren letzten Groschen opferten, um den Betrag zusammenzubekommen, der für Gaboonholz von Bosses Holzfabrik in Burg nötig war, um ein Paddelboot entstehen zu lassen. Stolz auf diese Eigenbauerfolge befasste man sich mit weiteren Plänen. Von Scharpie-Jollen, damals neueste Mode in der Reichshauptstadt, ließ sich Willi Hahn einen Aufriss schicken. Auf diese Art wurden diese schnittigen Jollen durch die Grohner zum erstenmal auf der Unterweser gesegelt und erfolgreich eingeführt.

1932 — ERFOLGREICHES WANDERJAHR

Im Jahre der größten Arbeitslosigkeit zeigten sich die Wassersportler besonders aktiv. An sportlichen Erfolgen mangelte es keinesfalls und besonders im Wandersport gab es Sensationen. Mehrere Einer-Wanderkajaks (in Schwedenform) machten sich auf die Reise von der Weser zur Elbe und weiter durch das mitteldeutsche Kanalnetz über Berlin bis Stettin. Die Reise wurde von Stettin aus entlang der Ostseeküste, durch den „Kaiser-Wilhelm-Kanal“ (Nord-Ostsee-Kanal) zurück zur Elbe fortgesetzt und fand nach Befahren des damals neuen Hamme-Oste-Kanals, der in dieser Zeit vor einer Neuerschließung steht, ihren Abschluss.

1933—DIE WENDE

Alles stand 1933 auf dem Spiel. Ein Verein, dessen Mitglieder kaum einen Hehl aus ihrer Gesinnung machten, stand einer Macht gegenüber, deren erstes Ziel in der Zerschlagung der von der Arbeiterbewegung geschaffenen Einrichtungen bestand. Doch das Verhängnis ging, wie die „alten Hasen“ meinten, unglaublich gut am Grohner Wassersportverein vorüber. Das Interesse der Grohner Bevölkerung an ‚ihrem“ Wassersport war so groß, dass der „Umbruch“ sich in erträglichen Bahnen vollzog. Die schon zu einem Begriff gewordene Flagge der Arbeiterwassersportler musste jedoch eingeholt und auch der Vorstand neu gebildet werden.

Erst jetzt wurde der Name „Wassersport Grohn“ als direkte Bezeichnung gewählt. Doch der alte Geist blieb unverbrüchlich erhalten.Manwollte Wassersport betreiben nach der Devise: „Wi sünd Watersportler ut Grohn und blifft dat okt“

UNTER NEUEM STANDER

Der heute noch gültige Stander, wurde damals entworfen. Er musste neutral und doch noch „nicht vorhanden“ sein. Wieder kamen die Gründer zusammen. In gemeinsamer Beratung kam man zu dem Stander-Entwurf. Der „rote Punkt“ im Stander erregte keinerlei Aufsehen und blieb den Alten als Hoffnungsschimmer erhalten. Und unter dem neuen Stander gewann nunmehr die betont sportliche Note des Vereins immer mehr Anhänger. Das Interesse am Wassersport stieg immer weiter an. Der Erstlingsschuppen konnte längst nicht mehr alle Boote fassen. Und die „Nichtbevorzugten“ drängten immer wieder auf den Bau eines zweiten Schuppens. Im Winter 1935 wurde ein weiterer Schuppen gebaut, der für 24 Boote Platz bot, und der gleichzeitig einen Klubraum enthielt.

In den folgenden Jahren war der Leistungssport mehr und mehr in den Vordergrund der Vereinstätigkeit getreten. Der sportliche Wettkampf stand jetzt der einst gekannten Breitenarbeit krass gegenüber. Die Jugend zeigte großen Eifer in sportlicher Betätigung. Der Verein kaufte zwei Renn-Kajaks. Jugendliche erzielten mit ihnen Erfolge auf Regatten. Auch die übrigen Boote glichen sich mehr dem Leistungssport an.

1939 — BESCHRÄNKUNGEN IM KRIEGE

Viele Wassersportler hatten im Sommer 1939 letztmalig für längere Zeit ungetrübte Freude am Wassersport gehabt. Als der Krieg begann, waren es nicht wenige, die ihr geliebtes Boot ungewöhnlich lange Zeit „überwintern“ lassen mussten. Noch schmerzlicher wurde es jedoch für die Daheimgebliebenen, die Mitteilung zu erhalten, dass dieser oder jener Sportfreund nicht mehr zurückkommen würde. So wurde dreizehnmal die Todesbotschaft in unserem Verein verbreitet.

In den wenigen Freizeitstunden, die den Mitgliedern, die nicht Soldat wurden, verblieben, hielten die Grohner ihre Wassersportanlagen instand. Schon begannen die ersten Materialsorgen. Der alte Geist, für den Verein zu schaffen, wurde erneut wach. So gut es ging, blieb die Anlage gepflegt. Es konnte durch Ankauf sogar ein gebrauchter Schuppen für 14 Boote erworben werden.

Trotz Kriegswirren wurde an den vom Verband ausgeschriebenen Segelregatten und Kanuregatten teilgenommen und bei allen Schwierigkeiten wurde der Sportbetrieb, soweit und solange es möglich war, fortgeführt, bis die Verhältnisse fast zur Aufgabe der Vereinstätigkeit zwangen.

1945 - ALS ZAUNGASTE AM WASSER

Die Engländer bereiteten 1945 mit der Eroberung unserer Heimat nicht nur dem Krieg ein Ende. Sie führten „nebenbei“ auch noch einen Privatkrieg gegen die Wassersportler. Mit 22 Mann und ebenso vielen Maschinenpistolen wurde die Grohner Vereinsanlage „erobert“, gerade als die ersten Grohner in den Maitagen 1945 ihre Boote flott machen wollten. Rigoros wurde den Mitgliedern die „totale Niederlage“ beigebracht und von der Vereinsanlage vertrieben. Nur einer wurde zurückgeholt, um die Schlüssel herauszugeben. Der  Bitte  um Herausgabe  von Kissen und Decken – die letztlich auch in den Haushalten eine Rolle spielten, entsprach man am nächsten Tage durch Herausgabe von drei Kissen und zwei Steppdecken. Dannkonnten die Grohner als Zaungäste ihre eigenen Boote unter wenig sachkundigen Händen auf der Lesum beobachten. 18 Tage dauerte dieser Spuk. Dann waren die Tommies verschwunden. mit ihnen sämtliche Boote, von denen 24 nie wieder aufgetaucht sind.

Die Flüsse blieben den Deutschen weiterhin versperrt. Erst im folgenden Frühjahr lockerten sich die Alliierten Bestimmungen so, dass man oberhalb des Lesumwehrs Hamme und Wümme befahren durfte. Doch inzwischen hatte sich eine neue Herrschaft der Vereinsanlage bemächtigt. Im Frühjahr 1946 zogen die amerikanischen Truppen in die Anlage ein und gründeten dort ihren „Yacht-Club“.

Noch im November 1945 hatten sich die Grohner Mitglieder in ihrem Klubraum am Wasser zusammengefunden und den Verein gemäß den alliierten Bestimmungen gegründet. Diesmal wieder als Sparte der alten Grohner Sportbewegung — und wieder unter Leo Paschke.

Ausspannen

voller Zuversicht mit Blick in die Zukunft

1948 - NACH DER FREIGABE

Im Juli 1948 wurde die Anlage des Vereins von der Beschlagnahme freigegeben. Während in der Zwischenzeit der Wassersport nur improvisiert durchgeführt werden konnte, begann wiederum ein neues Leben am Wasser. Der Verein befand sich jedoch in einer schwierigen Lage. Es musste ein neuer Anleger gebaut werden. Bedingt durch die ständige Abspülung des Lesumufers wegen der starken Strömung, wurde der Bau einer Kaimauer notwendig - gleichzeitig auch, um Gelände zu gewinnen. Durch die Währungsreform war das Vereinsvermögen jedoch stark reduziert. In unermüdlichem Einsatz der Mitglieder wurde diese Arbeit auch ohne fremde Hilfe vollbracht. Eine besondere Anerkennung für den Bau der Kaimauer und des neuen Anlegers mit Laufbrücke zollen die Grohner Wassersportler vor allem ihrem Sportfreund Waldemar Stiller, als Schöpfer dieser Anlagen. Als unermüdlicher Helfer war ihm zur Seite Friedrich Gnutzmann. Finanzielle Hilfe leistete wiederum Leo Paschke. Der Verein hatte jetzt eine vorbildliche Anlage.

Nach der lnstandsetzung der Anlage lebte allmählich auch die Regattatätigkeit wieder auf. Bei den Segelregatten des Landes-Kanu-Verbandes wurde mancher Sieg errungen. Auch der Motorrennsport der Kanuten findet immer größere Teilnahme.

Reger Sportbootbetrieb

Durch Kauf von zwei Rennkajaks sowie einen geschenkten Kajak für Trainingszwecke ist den Jugendlichen die Möglichkeit gegeben, sich auch auf diesem Rennsportgebiet zu entwickeln

Ein vorbildlicher Geist ist wieder in die Reihen des Vereins eingezogen. Wissen und Verständnis für die Sorgen und die Interessen der schaffenden Bevölkerung sind unverändert im Kurs des Vereins geblieben. Um allen Wassersportfreunden und vor allem der heranwachsenden Jugend die Möglichkeit zu geben, im Rahmen des Vereins Wassersport zu betreiben, sind die finanziellen Forderungen gering gehalten. Die Jugend-abteilung des Vereins umfaßt heute wieder 15 aktiv tätige Jungen.

Der Arbeitsdienst ist jedoch als längst gewohnte Einrichtung allen Mitgliedern selbstverständlich geblieben. Leider ist nicht mehr so viel Finanzkraft vorhanden, um jedem, der dem Verein beitreten möchte, auch die unumschränkte Möglichkeit zu geben, seinen Neigungen nachzugehen.

So sind unter schwersten Bedingungen und unter „unermüdlichem Einsatz“ der Mitglieder die ersten 25 Jahre des Vereins überstanden, in vorbildlicher Gemeinschaft und echter sportlicher Gesinnung. Dieses Gedankengut mag zum Wohle der Jugend und des Sportes weiterhin gefestigt werden, als Eckpfeiler für den Verein, Buten und Binnen.

AUSSICHTEN

Unter größten Opfern haben die Grohner Wassersportler aus „Lamkens Loch“ eine vorbildliche Anlage geschaffen. Doch sind noch längst nicht alle Wünsche. erfüllt. Das sportliche Interesse ist erfreulicherweise in Bremen und damit auch in Bremens Ortsteil Grohn zu einer öffentlichen Aufgabe geworden. So ist nur zu begrüßen, wenn sich Kommunalpolitiker, Stadtplaner und Repräsentanten der Sportbewegung mit Plänen beschäftigen, die den Ausbau aller Sportanlagen beabsichtigen. Gelegentlich wird auch bereits über die Absicht gesprochen, den Grohner Wassersportlern eine neue Anlage zu schaffen. Hierüber ließe sich heute schon manches sagen - und doch, es gibt bereits mehr Außenstehende als Grohner Wassersportler, die über Einzelheiten der Neugestaltung des Lesumufers zu berichten wissen.

Es ist nicht die Aufgabe, eingehend Pläne zu erläutern, deren Durchführung weit über die Kräfte des Vereins gehen würde. Die Grohner Wassersportler wissen nur soviel: sie werden in den folgenden Jahren weiterhin ihren Interessen nachgehen.

IMMER MEHR SEGELKANUTEN

Auch nach 25 Jahren war der Verein bestrebt, an den sportlichen Veranstaltungen des Verbandes teilzunehmen und möglichst viele Mitglieder für die einzelnen Regatten zu interessieren. Leider hat sich der Kanu-Rennsport in unserem Verein nicht durchsetzen können. Dafür konnten wir eine immer größer werdende Gruppe zu den Kanu-Segelregatten und zu den Motorregatten auf der Weser und Hamme schicken. Mancher Landesmeistertitel ist in unseren Reihen geblieben. Von den gewonnenen Vereinspreisen, 1. und 2. Plätzen zeugen die vielen Urkunden und Pokale, die unseren Klubraum und unser Vereinslokal schmücken.

Erfreulich ist, dass die Kameraden auch nach einer verlorenen Flautenregatta bereit sind, wieder zur nächsten Regatta zu fahren. Einige der Segler nehmen nun schon bald 20 Jahre an diesen Regatten teil. Sie sind es, die unsere Jugendlichen für diese sportlichen Wettkämpfe begeistern und ihnen manchen Tipp geben können. Damals konnten wir trotz des Trends zu immer größeren Booten mit Motor, fast 50 Prozent der Teilnehmer an den Kleinsegelregatten stellen. Die Verlegung der Motorregatten von der Hamme zur Lesum brachte einen weiteren Höhepunkt in unser Vereinsleben. Start und Ziel war unsere Anlage. Bis zu 70 Boote starteten bei uns zur Geschwindigkeitsregatta des LKV. Brachten diese Regatten auch viel Arbeit, so war ihr gelungener Ablauf der schönste Lohn auch für die vielen freiwilligen Helfer im Verein.

Regatta

Das damalige Vereinsheim des VWG mit Brücke,
 Start und Ziel der Schnelligkeitsregatta 1968

Leider machen die Uferbefestigungen an der Lesum eine  Verlegung der Strecke zur Weser im Bereich des Stadtwerders nötig.

Da wir Wassersportler keine „Kinder von Traurigkeit“ sind, kam bei den Regatten auch der gemütliche Teil nie zu kurz.

WANDERFAHRTEN

Die Struktur unseres Vereins hat sich gewandelt. Das bedingt natürlich, dass die Fahrtziele der einzelnen Mitglieder sehr verschieden sind. Bei den Motorfahrern hat sich während der Wochenendfahrten der Besuch fester Liegeplätze durchgesetzt. Sie liegen an der Weser oder im Moor. Die früher üblichen Vereinsfahrten lassen sich heute, bedingt durch die verschiedenen Bootstypen und Motorstärken, nur noch schwerlich durchführen.

Altes Vereinsgelände

Die Paddler und Kanufahrer steuern auch heute noch Ziele in unserer ganzen Umgebung an. Bei den Paddlern ist es unser Bestreben, in jedem Jahr zwei Gemeinschaftsfahrten durchzuführen. Es wurden mehrere große Fahrten durchgeführt, Unter Anderem nach Huntlosen und zum Plöner See.

Auch der Ausgleichssport wird in unseren Reihen immer aktiver betrieben. Die Schwimmstunde im Hallenbad findet mehr und mehr Anhänger. Im Winter steht Tischtennis im Clubraum auf dem Programm. Die mit großen Hoffnungen gestartete Aktion „Sportabzeichen“ hat noch nicht den gewünschten Zuspruch. Hier zeichnen sich einige Kameraden durch sehr großen Trainingsfleiß aus. Die Arbeit als Trainer hat ein jugendliches Mitglied übernommen. Aber auch in umgekehrter Folge finden Leichtathleten und Fußballer im Wassersport ihren Ausgleich.

AUSBAU IN EIGENHILFE

Der Bau des neuen Anlegers und der Kaimauer waren die herausragendsten Veränderungen der Anlage in den Nachkriegsjahren. Durch die Mauer war die Möglichkeit gegeben, vor dem Klubraum neues Gelände aufzuschütten. Dadurch wurde ein schöner Platz am Wasser geschaffen. Über viele Pläne wurde diskutiert. Der vorgesehene Umbau sowie die Vergrößerung der Schuppen scheiterte am Baustopp auf unserem Gelände. Trotzdem konnten wir uns in all den Jahren nicht über Arbeit beklagen. Galt es doch, die vorhandenen Dinge zu erhalten und zu pflegen.

Alles bisher Geleistete war in Gefahr, als im Februar 1962 die fürchterliche Sturmflut auch unsere Anlage bedrohte. Die Ufer wurden schwer in Mitleidenschaft gezogen. Im Klubraum stand das Wasser 1,20 m hoch. In den Bootsschuppen wurden Boote und auch die Schuppen zum Teil schwer beschädigt. Der ganze Platz glich einem wüsten Trümmerhaufen. Durch den vorbildlichen Einsatz vielerKameraden wurden schwerere Schäden vermieden. Eine Geldspende des LSB und des DKV glich den finanziellen Verlust zum Teilwieder aus. Die Schäden an den Booten trugen die Mitglieder selbst.

Bei den lnstandsetzungsarbeiten wurde die ehemalige Wachbude abgerissen und dafür ein kleiner Verkaufsraum angebaut. Die durch die Sturmflut zerstörten Fenster wurden durch größere ersetzt. Somit konnten wir einen schönen Ausblick zum Wasser hin schaffen.

Die weiteren Pläne waren die vollständige Renovierung des Klubraumes, Bau eines Schwimmsteges, Anschaffung einer Starkstromanlage, damit verbunden Aufbau einer Motorwinde und Ausrüstung der Bootsschuppen mit Rohrgerüsten. Wir haben all diese Vorhaben ausgeführt, bis auf den Bau des Schwimmsteges. Der Kassenbestand hat durch diese Arbeit ziemlich gelitten, doch wir waren der Meinung, erst durch Beweis der eigenen Leistung berechtigt zu sein, Geldmittel für den Bau des Schwimmsteges zu beantragen.

Jetzt müssen wir allerdings den Lauf der Dinge in bezug auf den Hochwasserschutz abwarten, bevor wir weitere Pläne schmieden können. Doch es bleibt für jedes Jahr auch weiterhin genügend Arbeit übrig.

IMMER MEHR UND GRÖSSERE BOOTE

 

Nachdem der Bootsbau in den ersten Nachkriegsjahren zum Stillstand gekommen war, erlebte er in den darauffolgenden Jahren einen unerhörten Aufschwung. Es wurden neue Boote aller Typen angeschafft. Zum Teil wurden sie unter ziemlich schwierigen Bedingungen im Eigenbau hergestellt. Es fing bei den Paddelbooten an; dann folgten die ersten neuen Canadier. Bald wurden auch diese zu klein, denn das Campinggepäck wurde immer umfangreicher. Nun kamen die ersten Wellenbinder und großen Motorboote. Mit der Anschaffung dieser neuen Bootstypen tauchten allerdings Probleme auf, die uns allerhand Kopfzerbrechen machten. Die Liegeplätze auf der Wasseranlage sind bis auf den letzten Platz belegt. Leider sind unsere bisherigen Versuche, Plätze im Grohner Hafen zu bekommen, fehlgeschlagen.

Die vorübergehende Leere in den Bootsschuppen wurde in den letzten Jahren wieder voll aufgefüllt. Vor allem ist der Zuwachs an Falt- und Paddelbooten ein für uns erfreuliches Zeichen. Gibt es uns doch die Gewissheit, dass die Kleinbootfahrer auch weiterhin einen großen Teil unseres Mitgliederbestandes bilden.

Bei der Entwicklung der motorgetriebenen Fahrzeuge machte auch der Stand der Motorstärken einen gewaltigen Sprung nach oben.

Die Gesamtentwicklung der Sportfahrzeuge zu immer größeren Typen brachte es mit sich, dass auf dem Wasser die Einführung des Motorbootführerscheins verlangt wurde. In einem Kursus lernten wir alle erforderlichen Dinge. Die Leitung des Kursus hatte ein Vereinskamerad übernommen. Die bestandene Prüfung für alle 34 Bewerber war der Beweis für die intensive Schulung und den Lerneifer der Prüflinge

Führerschein

Wie ein Blitz aus heiterem Himmel erreichte dann die Veröffentlichung des Bebauungsplanes 391 den VWG. Danach war das soeben hergerichtete In den Jahren 1951 bis 1960 führte Sportkollege Gerd Möller unseren Verein. Sein Bestreben war es, die sportlichen Ideale und den Gemeinschaftssinn zu fördern. Unter seiner Leitung erlebte der Verein auf allen Gebieten einen großen Aufschwung. Als sein Gesundheitszustand ihn zwang, den Vorsitz abzugeben, war er weiterhin bereit, als Jugendleiter seine große Erfahrung an unsere jungen Mitglieder weiterzugeben. Sein Tod hinterließ in unseren Reihen eine große Lücke. 1961 übernahm noch einmal Karl Meier den Vorsitz, nachdem er schon 1934 bis 1945 und 1948 bis 1951 den Verein geführt hatte. Seine großen Verdienste in der Vereinsarbeit dankten ihm die Mitglieder bei seinem Rücktritt 1966 durch die Wahl zum Ehrenvorsitzenden.

1966 trat der große Wechsel in der Vereinsführung ein. Walter Pahlsbröker übernahm den Vorsitz, nachdem er sechs Jahre 2. Vorsitzender gewesen war. Unter seiner Führung wurden die notwendigen Veränderungen im Verein mit Umsicht und Weitblick durchgeführt. Zum 2. Vorsitzenden wurde Karl-Wilhelm Greten gewählt. Schriftführer blieb für viele weitere Jahre Heinz Jürgens. Rolf Bremer  führte die Kasse insgesamt 15 Jahre.

Bei der Erwähnung des geschäftsführenden Vorstandes sollte man es nicht versäumen, die Kameraden des erweiterten Vorstandes zu nennen. Sie haben sehr viel zu der Entwicklung und zu den Erfolgen des Vereins beigetragen.

Der Verein befand sich weiter im Aufwärtstrend. 1965 fährt unsere Jugend als Gäste zu den Weltmeisterschaften im Kanusegeln.

AUFBRUCH ZU NEUEN UFERN

Eigentlich wäre es an der Zeit gewesen, sich endlich einmal von der vielen Arbeit etwas auszuruhen  – aber -  1. kommt es anders, 2. als man denkt.

Die Pläne für eine Hochwasserschutzanlage waren soweit gediehen, dass sie kurz vor der Durchführung standen. Bei Gesprächen über die Lage der geplanten Errichtung einer Spundwand, meldete der VWG erfolgreich seine Wünsche nach einem Durchbruch für einen Slip und einen weiteren für die Brücke an. Das Geländes vor der Spundwand wurde durch Mitgliedereinsatz mit Mutterboden aufgefüllt. Anträge an die Stadtgemeinde Bremen auf Pachtung des Gelände „Am Wasser 23“ wurden jedoch abschlägig beschieden.

Gelände als öffentliche Grünanlage ausgewiesen. Alle Hoffnungen auf die eigentlich angestrebte Erweiterung unserer Anlagen waren damit zunichte gemacht. Versuche, durch Gespräche und Eingaben die Behörden zum Umdenken zu bewegen, waren umsonst. Jeglicher Versuch scheiterte. Der Verein würde ohne eigenes Gelände praktisch heimatlos. Die stattdessen gemachten Angebote, uns in den nächsten Jahren ein baureifes Grundstück zu stellen und bei der Finanzierung behilflich zu sein, ließ uns schließlich einer Verlegung unseres Vereinsgeländes zustimmen. 1972 entstanden Entwurf und Kostenermittlung für ein Bootshaus. abgestimmt auf die Bedürfnisse eines Kleinbootvereins. Auf dem Gelände Am Wasser 25 sollte es, nach Änderung der Fähranlegestelle, errichtet werden. Baukosten: 320.000 Mark bei Eigenleistung von mindestens 120.000 Mark - durch Muskelkraft. 1973

Der nächste Rückschlag aber kam promt: Durch schwierige Grundstücksverhandlungen erfolgte die Grundstücksübergabe erst 1979. Und da war unser Bauantrag plötzlich nicht mehr zu finden. Ein neuer musste mit Hilfe des Hochbauamtes erstellt und eingereicht werden. Dabei wurden gleich die Preissteigerungen von neun Jahren berücksichtigt – Folge: die erste Etage musste in zwei Bauabschnitte aufgeteilt werden.

Am 27. Juli 1980 gab es dann endlich die Baugenehmigung. Damit stand der Verein dann zunächst einmal vor dem Problem. 1500 Kubikmeter aufgeschütteten Sand abfahren zu müssen. Nachdem das schließlich mit Hilfe einer Tiefbaufirma gelungen war, die das Areal dafür während einer Übergangszeit als Lagerplatz hatte nutzen dürfen, gab es gleich das nächste Problem: Die Behörden mussten davon überzeugt werden, dass der VWG den Umbau des Spundwandeinschnitts des alten Fähranlegers wirklich nicht aus eigener Tasche bezahlen konnten.

Rohbau

Umbau der Spundwand auf dem Grundstück “Am Wasser 25”

Am 3. Dezember 1980 aber war es dann endlich soweit: Das neues Gelände wurde für baureif erklärt. Da die Stahlbetonarbeiten aber nicht von den Mitgliedern ausgeführt werden konnten, waren erst einmal Angebote einzuholen. Das günstigste kam von der Firma Fennekohl, die daraufhin den Zuschlag erhielt und uns auch später mit Gerät und Rat oft weiterhalf.

Am 2. Februar 1981 ging es mit dem Bau richtig los. Mitte Mai wurden diese Arbeiten abgeschlossen, stand das Rohbauskelett - und hatte 85 Prozent der Barmittel verschlungen. Also überlegen, wie am kostensparendsten Eigenleistung erbracht werden könnte. Eine Spende von 5000 Mark der Kupschen Stiftung brachte zwar wenigstens etwas Luft gleichwohl packten nun selbst auch die Frauen mit an, setzten Stein auf Stein. Jeder wurde eingespannt, brachte Fachwissen ein oder wurde angelernt. Nur so gelang es, Bootshalle und Nebengebäude winterfest zu bekommen. Manches war dabei aber anders geworden als gedacht, denn aufgrund der geringen Mittel hatten Änderungen an der geplanten Bauausführung hingenommen werden müssen, insbesondere am Dach, das auf  Wunsch vom Hochbauamt umgeplant wurde.

Rohbau

1982 ging es dann mit der 1. Etage weiter. Um Kosten zu sparen, musste sie in einem Stück - statt wie geplant, in zwei Bauabschnitten - erstellt werden. Es gelang. Zum Winter war das Dach dicht, konnte die Bootshalle voll genutzt, die Sanitäranlage teilweise in Betrieb genommen werden. Dafür aber war das Geld nun endgültig alle. In den nächsten zwei Jahren konnte kaum etwas getan werden. Mit dem Bau ging es nicht weiter. Frust breitete sich aus.

Da unser Hobby, der Wassersport ,während der Bauphasen oft viel zu kurz gekommen war, verließen viele Kleinbootfahrer den Verein, gefrustet von der hohen Arbeitsbelastung. Durch die neuen Wasseranlagen. die  verpflichtungsgemäß gebaut wurden, war die Zahl der Großboote zwar gestiegen - nur, die passten aufgrund ihrer Höhe nicht in die Bootshalle. Die neu hinzu gewonnenen „Großboot-Besitzer“ dennoch zur Arbeit am neuen Domizil zu motivieren, war entsprechend schwierig.

Auf Antrag und nach Besichtigung half schließlich der Vegesacker Beirat mit 7000 Mark weiter. Endlich konnten weitergebaut werden. Mit dem Beiratsgeld wurde der erste beheizbare Raum in der ersten Etage fertiggestellt. Schließlich konnte auch noch eine Ausfallbürgschaft über 50.000 Mark der Stadtgemeinde Bremen ausgehandelt und zinsgünstig aufgenommen werden. Damit ging es im Winter 1986/87 dann endlich mit den größeren Baumaßnahmen weiter. Der Ausbau der Hausmeisterwohnung erfolgte. Im Herbst wurde im neuen Clubraum sogar unseren Festball feiern, was waren wir stolz und froh.

Das es letztlich gelang, unser „Abenteuer Clubhaus“  zu einem  gelungenem Abschluss zu führen, ist in erheblichem Umfang Walter Pahlsbröker zu verdanken, der mit nicht enden wollendem Einsatz,  die Mitglieder zu Höchstleistungen motivierte. Sein Verdienst ist es, dass der VWG am neuen Standort eine sichere Existenz gefunden hat.

Neues Vereinsheim
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